free bootstrap website building software download

Quappeln an der Oder

Mitte Dezember 2011Nein, Quappeln ist kein Ortsname. Es ist ein Kunstverb mit der Bedeutung einer speziellen Wanderfischart nachzustellen. Nicht jeder Fischesser hat schon von Quappen gehört, Angler sicher schon. Die kennen sie u. a. auch als Rutte oder Trüsche sowie ihrem lateinischen Namen „Lota lota“. Einfach mal in die Arbeitsblätter zur Fischerprüfung vom Heintges Verlag schauen oder bei Wikipedia nach Quappe googeln. Bestes deutsches Quappengebiet soll die Oder sein, Quappenfangzeit von November bis Februar. Auch wenn man über Geschmack trefflich streiten kann wie es heißt, so stehen Quappen ganz allgemein im Ruf zu schmecken. Schon die alten Römer handelten deren Leber als Delikatesse.Obgleich die MOZ (Märkische Oderzeitung) im November von einer gemessen an Vorjahren zögerlich beginnenden Quappensaison berichtete, haben Anglerkollegen schon Erfolg gehabt. Also dachte ich mir: „Auch haben will!“. Weil die Oder lang und nicht überall motorisiert erreichbar ist, habe ich mir über Google Earth im Vorfeld der Aktion einen Überblick möglicher Angelstellen verschafft. Das war auch gut so. Denn einen Seitenarm der Oder – gepriesen als Hotspot für Quappen – konnte ich nach Ankunft gar nicht nutzen: Niedrigwasser mit Bachcharakter und Sandbänken versprach keinen Erfolg. So ging ich zu Plan „B“ meiner Vorbereitung über und fand eine passable Buhne am Hauptstrom.Da die Quappen ab der Dämmerung, vornehmlich aber nachts im Dustern beißen, habe ich den Nachmittag zunächst mit Spinnfischen verbracht. Letztlich kein Erfolg dabei und ich dachte mir, der viel beschriebene Fischreichtum der Oder müsse wohl den Sommeranglern Glück gebracht haben. Mein Buhnenkopf jedenfalls gab nichts her. Wie sieht ein guter Quappenspot aus? Trübe Aussicht. Und auch noch im wahrsten Sinne der Aussage. Die Dämmerung kam und ich versah die Ruten mit Knicklichtern am Blank. Aalglöckchen konnte ich vergessen. Es wehte eine steife Briese der ich mit passender Kleidung inklusive Pelzmütze über den Ohren Paroli bieten konnte. Aber wie hört man dabei Glöckchen in 3-4 m Höhe der aufgestellten Ruten? Zitat von irgendwo aus dem Internet: „Wenn es regnet, stürmt oder schneit ist beste Quappenangelzeit“.Als ich mir die Angelkarte für die Oder besorgte, da habe ich zwar mit Kälte gerechnet aber nicht gewusst, dass mir der volle Spruch begegnen sollte. Anfangs gab es so etwas wie normalen Regen. Der wurde samt Wind heftiger und enthielt auch bald darauf dicke Schneeflocken. Gut, dass ich meine Utensilien trocken in einem Anglerzelt untergebracht hatte. Die Angelkarte ist bezahlt und Quappenfangen hat was mit wollen zu tun. Also blieb ich – Fels in der Brandung – und rief dem aufkommenden Sturm lauthals irgendetwas von „mach mir das Angeln nicht so schwer, schick mir ´ne Lota lota her“ entgegen. Natürlich bin ich nicht Merlin und mein Spruch hatte zunächst auch nicht den gewünschten Erfolg. Aber nach einer weiteren guten Stunde – ich betrachtete die Buhne bereits als mein Wikingerschiff Richtung Grönland – kam der erhoffte Biss. Oder war es nur wieder eine zu heftige Windböe? Aber irgendwie doch anders. Raus mit der Rute und zügig einholen. Siehe da - Zauberspruch mit Zeitzünder - eine Quappe gelandet. Nicht besonders groß, aber meine erste. Und das bei diesen widrigen Umständen. Da wollen wir über die 57 cm und 1,25 Kg nicht undankbar sein.Ich versuchte noch drei weitere Stunden. Vermutlich hatte ich keine drei Wünsche frei sondern nur einen, der war verbraucht. Ich packte ein. Schlechtes Wetter hätte mich nicht geschreckt. Aber da kam noch mehr auf das Oderland zu. Bei der Heimfahrt musste ich viel Bruchholz auf den Landstraßen umfahren. Am nächsten Tag las ich in der Zeitung, dass mein Sturm auch einen Namen hatte, sich Joachim nannte und meine Angelstelle mit Windstärke 7 überrannt hatte. Bis 6 davon hatte ich wohl vor Ort mit erlebt.Was schließen wir daraus?: Um Quappen zu angeln muss man nicht unbedingt verrückt sein, aber es hilft ungemein. Auf jeden Fall aber ist Ausdauer in wetterfester Kleidung angesagt. Der Winter ist an Gewässern in freier Landschaft auch ohne Sturm ungemütlich genug. Ich bin jetzt sturmerprobt. Schlimmer kann es für mich nicht mehr kommen. Achtung Quappen: Heute ist nicht aller Tage, ich komme wieder, keine Frage!Also ran ans Wasser. Denn eins steht fest: Die Quappen schmecken wirklich. Petri Dank![Luck Richter – Petrijünger Kleinmachnow e. V. – Anglerverein im DAFV e. V.]